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Glanz und Gloria barocker Musik Ensemble überzeugt in der Andreaskirche

Von Matthias Müller

TELTOW Die Andreaskirche in Teltow ist in der Potsdamer Nachbarstadt eine angesagte Konzertadresse. Zu den Höhepunkten des Kirchenjahres konzentrieren sich bis zu zehn Konzerte an diesem Ort und zeugen von der lebendigen Musikszene Teltows.

Am späten Sonntagnachmittag füllte sich die Kirche bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn, denn das Ensemble „Zeit für Barock“ hatte Glanzpunkte der barocken Musiktradition zusammen gestellt und die wurden sehnsüchtig erwartet. Die Ensemblemitglieder bestehen aus sechs freien Musikern – zwei Sängerinnen, ein Trompeter und drei Tasteninstrumentalisten –, von denen drei ganz in barocke Gewänder gehüllt das Konzert bestritten. Cornelia Zerm füllte neben der Konzertmoderation mit ihrer glockenhellen, intonationssicheren und ausgesprochen schönen Sopranstimme sämtliche Gesangspartien aus. Gleichzeitig musikalisch leitend blies Hannes Maczey fachkundig die hohe Ventiltrompete. Arno Schneider war der Herr der Orgel. Die dargebotene Musik wirkte sowohl gut ausgesucht als auch professionell dargeboten.

Die Spanne reichte vom ältesten Vertreter Giuseppe Torelli und seiner Sinfonia in D für Trompete und Orgel bis zum jüngsten Vertreter John Stanley. Sein „Trumpet Voluntary“ setzte gleich zum Beginn des Konzertes ein richtiges „Glanzlicht des Barock“. „Gia il sole dal Gange“ von Vater Alessandro Scarlatti offenbarte in der Bearbeitung für Orgel und Sopran die ausgesprochen gute Eignung der Sopranstimme von Cornelia Zerm für die barocke Musiksprache.

Ein besonderer Schwerpunkt bildete Georg Friedrich Händel. Auszüge aus seinem Oratorium „Messias“, anspruchsvolle weitere Vokalwerke bis hin zum 1. Satz aus einem festlichen „Gloria in exelsis Deo“ prägten den „Händel-Block“. Die Orgelvariante zum reißerischen Orchesterpart „Ankunft der Königin von Saba“ aus Händels Oratorium „Salomon“ blieb hinter dem Original verständlicherweise zurück. Im Präludium und Fuge C-Dur BWV 547 von Johann Sebastian Bach traf dagegen Arno Schneider genau den Nerv für wirkungsvolle und gute Orgelinterpretation. Die Kombinationen von Gesang/Orgel, Trompete/Orgel oder alle drei gemeinsam brachte neben dem festlichen Barockcharakter allgemein auch die gelungene Abwechslung.

Höhepunkt des Konzertes war zweifellos der Eingangssatz aus der Soprankantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ von Johann Sebastian Bach. Mit dem Ausschnitt aus dieser gesangstechnisch schweren und mit heiklem Trompetenpart ausgestatteten sechsteiligen Kantate überzeugte das Trio ausnahmslos und der Beifall wollte kein Ende finden. Ein unbeschwerter Musiknachmittag der einem „Glanz und Gloria“ einer ganzen Musikepoche nahe brach

Quelle: Märkische Allgemeine, Potsdamer Stadtkurier, 18.09.2012

 

Mit wohlgeformten Klangperlen Gesang zur Orgel in der Heilandskirche Sacrow

von Peter Buske

Was man so alles aus der portugiesischen Sprache lernen kann. Unter anderem, dass sie seltsam geformte, schiefrunde Perlen sehr verächtlich „barocco“ zu bezeichnen pflegt – als Synonym für alles überladen Geschmacklose. Dennoch schmückte sich eine höchst gefeierte Kunstepoche mit diesem Namen: Barock. Wie wir es, positiv gesehen, seither lieben! Vor allem die wohlgeformten, matt glänzenden Klangperlen, die uns zahllose Groß- und Kleinmeister zu unterhaltsamem Genuss überliefert haben. Zu einer Zeitreise aus dem Barock hin zum empfindsamen Stil luden unter dem Titel „Ich liebe dich“ Sopranistin Cornelia Zerm und ihr kurzfristig eingesprungener Orgelbegleiter Andreas Kaiser am Sonntagnachmittag in die Heilandskirche zu Sacrow. Dabei ließ es sich die Sängerin nicht nehmen, die erklingende „Musik for aller Gattung Leute“ (Mozart) vor und zwischen den Offerten fachkundig bis anekdotenreich zu erläutern.

Als wesentlich gehaltvoller erwiesen sich die Gesangbeiträge für eine „geläufige Gurgel“ (Mozart), über die Cornelia Zerm zweifelsfrei verfügt. Aufs Vorzüglichste wusste sie ihren glasklaren und kräftigen, intonationssauberen und ansatzsicheren lyrischen Koloratursopran zur Geltung zu bringen. Zunächst noch zu laut, sodass es drei lyrischen Arien aus Händels „Messias“ an pastoraler Innigkeit und Gefühlstiefe mangelte, dann jedoch hatte sie sich auf die der leisen Töne zugeneigten Akustik der Kirche eingestellt. Zwei Arien aus nachweislicher Bachfeder – „Mein gläubiges Herze“ aus der Pfingstkantate BWV 68 und „Flößt mein Heiland“ aus der vierten Kantate des Weihnachtsoratoriums BWV 248 – erklangen auf geradezu fröhliche Weise: höhen- und koloraturensicher, glockenhell, ohne jegliches Schwanken.
In den Gefilden der Wiener Klassik angekommen, fand ihre schlanke, gradlinige, weitgehend vibratolose Stimmführung nun zu gefühlvollerer Ausdrucksdichte. Beethovens Lied „Ich liebe dich“ profitierte davon, umso mehr Haydns „Benedictus“ aus der „Kleinen Orgelmesse“, das sie kraftvoll jubilierend anstimmte. Bei Mozart dann war sie ganz in ihrem Metier als lyrischer Koloratursopran. Im „Quoniam tu solus Sanctus“ aus der „Waisenhausmesse“ KV 139 erblühte ihre Stimme zu voller Schönheit. Locker jauchzte sie abschließend das „Alleluja“ aus „Exsultate, jubilate“ KV 165. Als Zugabe sang sie aus Händels „Rinaldo“ die Klagearie „Lascio ch’io pianga“: auch dies eine rund geformte und matt schimmernde Klangperle.
Peter Buske

Erschienen in den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ am 09.08.2011 auf Seite 23

 

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